Struktur des Bildungsangebotes
Unsere Schule bietet wie alle Beruflichen Schulen die Ausbildung im Teilzeitbereich (Berufsschule) und im Vollzeitbereich an. Die spezielle Differenzierung mit den verschiedenen Berufen entspricht der Nachfrage der Betriebe in unserem näheren Wirtschaftsraum nach Ausbildung. Die Vollzeitschularten nehmen die Absolventen der allgemeinbildenden Schulen wie Hauptschule, Werkrealschule und Realschulen in einem größeren Einzugsbereich auf, die nicht unmittelbar nach ihrem Abschluss in die kaufmännische Ausbildung wollten oder konnten. Die Vollzeitschularten sind das Berufseinstiegsjahr, die zweijährige Berufsfachschule, das Kaufmännischen Berufskolleg I und II und das Wirtschaftsgymnasium.
In dieser Bildungslandschaft sieht die Schulleitung ihren Aufgabenpart besonders darin, Eltern und Ausbildungsbetrieben ein kompetenter und verlässlicher Partner zu sein. Zusammen mit dem Kollegium sorgt sie dafür, dass die Vollzeitschüler allumfassend auf die duale Ausbildung vorbereitet bzw. zur Studienreife geführt werden.
Berufseinstiegsjahr
Das BEJ ist unsere jüngste und gleichzeitig kleinste Schulart. Es wurde im Schuljahr 2005/2006 eingeführt und war zunächst der kaufmännischen Berufsschule angegliedert. Seit 2010 findet der Unterricht im Haupthaus in der Rotebühlstraße statt. Das BEJ ist seit diesem Zeitpunkt dem Vollzeitbereich angegliedert. Da einem Teil der Schülerschaft im BEJ die für den Schulerfolg nützlichen Verhaltensweisen wie Arbeits- und Lernmethoden, Pünktlichkeit und Selbstverantwortung schwerfallen, wird seit dem Schuljahr 2011/2012 das BEJ mit Ganztagesbetreuung angeboten. Dazu wurde ein pädagogisches Konzept entwickelt, das an den vorhandenen Stärken und Fähigkeiten der Schüler anknüpft und den Lernprozess individuell gestaltet.
Wirtschaftsschule
Im Zuge der knapp gewordenen Ausbildungsstellen – ganz besonders im kaufmännischen Bereich – gelingt den Jugendlichen der Übergang aus der allgemeinbildenden Schule in eine berufliche Ausbildung nicht sofort. Viele sind noch auf der Suche nach der geeigneten Berufsrichtung. In der zweijährigen Berufsfachschule wird den Schülern kaufmännisches Handlungswissen und der noch fehlende Mittlere Bildungsabschluss ermöglicht.
Lernen heißt für jeden Menschen, Verhaltensveränderung in hohem Maß zuzulassen und anzunehmen. Vor diesem Hintergrund ist gute Schularbeit dann gegeben, wenn den leistungsbereiten Schülern genügend Raum und Anreiz gegeben wird, um ihren Schulerfolg wie geplant zu erreichen. Leistungsschwächere Schüler werden durch das Modell der „Lernwerkstatt West“ besonders gefördert.
Kaufmännisches Berufskolleg
Mit der Neukonzeption werden das Kaufmännische Berufskolleg I und das Kaufmännische Berufskolleg II inhaltlich stärker verknüpft. Die Berufskollegs werden dabei am Erwerb der Fachhochschulreife ausgerichtet. Der Abschluss „Wirtschaftsassistent“ kann nun über ein Zusatzprogramm erworben werden. Im kaufmännischen Berufskolleg I werden im berufsfachlichen Bereich die Inhalte des ersten Ausbildungsjahres folgender Ausbildungsberufe unterrichtet: Kaufmann/Kauffrau im Groß- und Außenhandel, Industriekauffrau/kaufmann bzw. Bürokauffrau/ kaufmann.
Beim kaufmännischen Berufskolleg liegt der Schwerpunkt mehr als bei anderen Schularten auf der beruflichen Praxis. Einen breiten Raum nimmt daher die Vermittlung von Geschäftsprozessen ein.
Die Hälfte der BK Klassen sind Übungsfirmenklassen. Die Schüler sind somit an ein bis zwei Schultagen Angestellte der Il Libro GmbH oder der One O One GmbH. In den Übungsfirmen werden sämtliche kaufmännische Geschäftsvorfälle, von der Personalbeschaffung, über den Wareneinkauf, bis hin zum Warenverkauf und der Verbuchung der Zahlungsströme simuliert. Die Schüler der Übungsfirmenklassen durchlaufen im Laufe eines Schuljahres verschiedene Abteilungen der Übungsfirma, wie z.B. Einkauf, Verkauf oder Rechnungswesen. Dabei werden alle innerhalb einer Abteilung anfallenden Tätigkeiten von den Schülern weitestgehend selbstständig erledigt. Somit dient die Übungsfirma als Lernort für kaufmännisches Denken, betriebswirtschaftliche Analysen und Entscheidungsfindung. Das praktische Handlungsumfeld der Übungsfirma bildet mit seinen beispielhaften Problemstellungen und betrieblichen Prozessen auch die Grundlage für die theoretische Wissensvermittlung in den anderen Fächern der Stundentafel. Ziel der Übungsfirmenarbeit ist somit eine starke Verbindung von Theorie und Praxis, um die berufliche Handlungskompetenz der Schüler zu stärken. Diese Verbindung von Theorie und Praxis gelingt insbesondere durch die Unterstützung der Patenfirmen. Die Il Libro GmbH wird vom Ernst Klett Verlag und der Porsche Design Group unterstützt, die One o One von dem Bekleidungslabel Gin Tonic.
Wirtschaftsgymnasium
Das Wirtschaftsgymnasium ist unsere größte Vollzeitschulart. Am Wirtschaftsgymnasium wird eine breite und vertiefte Allgemeinbildung vermittelt. Neben den allgemeinbildenden Unterrichtsfächern besuchen die Schüler das Profilfach Wirtschaft. In diesem Unterrichtsfach erlernen sie die Grundlagen ökonomischen Handelns eines Unternehmens sowie einer Volkswirtschaft. Diese Mischung aus Allgemeinbildung und ökonomischer Bildung führt die Schüler zur Studierfähigkeit. Gleichzeitig erfolgt eine berufliche Profilierung für anspruchsvolle Tätigkeiten und Führungspositionen.
Dabei besitzt die Eingangsklasse eine Gelenkfunktion für die Vorbereitung auf die allgemeine Hochschulreife in den Jahrgangsstufen. Denn in der Eingangsklasse treffen Schüler aus unterschiedlichen Schularten (Allgemeinbildende Gymnasien, Realschulen, Werkrealschulen und zweijährige Berufsfachschulen) zusammen. Wir legen besonderen Wert auf die Entwicklung und Förderung sozialer Kompetenzen. Daher soll zu Beginn der Eingangsklassen die Grundlagen für ein vertrauensvolles und konstruktives Miteinander geschaffen werden. Dafür brauchen wir Zeit. Bei den Einführungstagen außerhalb der Schule stehen das gegenseitige Kennenlernen, die Förderung von Kreativität und Teamfähigkeit im Mittelpunkt.
In der Jahrgangstufe 1 steht das selbständige Lernen im Vordergrund. Am WG-West werden mindestens zwei Seminarkurse zu den unterschiedlichsten Themen in der Jahrgangsstufe 1 angeboten. Oft finden diese Seminarkurse auch mit außerschulischen Partnern statt. Des Weiteren wird das selbstständige Arbeiten der Schüler durch das Erstellen von GFS (Gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen) gefördert. Auch nimmt das WG-West regelmäßig an Planspielen und Projekten teil. In der Jahrgangsstufe 1 ermöglicht eine mehrtägige Studienfahrt als bildungsfördernde Veranstaltung außerschulisches Lernen.
Wir legen auch besonderen Wert auf die Sprachkompetenz. Deshalb wurde bereits vor Jahren das Unterrichtsfach Global Studies eingerichtet. Global Studies verzahnt den Fremdsprachen¬unterricht mit Wirtschaftsgeographie. Durch die Analyse praxisnaher Beispiele wird die Anschaulichkeit garantiert. Seit dem Schuljahr 2011/2012 führt ein Zug des WG zum „Internationalen Abitur BW“. Im Regierungsbezirk Stuttgart ist das WG West die einzige Schule, die diesen Abschluss anbietet.
Kaufmännische Berufsschule
In der dualen Ausbildung werden Berufswissen, praktische Anwendung und Arbeitshaltung in Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben und den Kammern an die Auszubildenden weitergegeben. Die Ausbildungsdauer beträgt zwischen zwei und drei Jahren, abhängig von der schulischen Vorbildung, dem Schüler und dem Ausbildungsberuf.
Die Schüler im dualen System stellen rund die Hälfte aller Schüler am Wirtschaftsgymnasium West. Unterrichtet wird sowohl in Teilzeit- als auch in Blockform. Neben der fachlichen Qualifikation werden den Auszubildenden durch moderne Unterrichtsmethoden auch soziale und methodische Kompetenzen vermittelt.
Die Ausbildungsberufe (Justizfachangestellte, Kaufleute im Groß- und Außenhandel, Kaufleute im Einzelhandel und Verkäufer) werden in der Regel nach Lernfeldern unterrichtet, wodurch der theoretische Fachunterricht stärker mit der prozessorientierten Arbeitsweise der Unternehmen verknüpft wird. Durch den Einsatz einer integrierten Unternehmenssoftware im fachtheoretischen Unterricht erhöht sich der Praxisbezug.
Den Schülern der kaufmännischen Berufsschule wird das KMK Fremdsprachenzertifikat (Zertifikat auf der Grundlage der Initiative des Europarates „Common European Framework of Reference for Language Learning and Teaching“, Strassbourg 1996) in Englisch angeboten. Diese freiwillige Zusatzqualifikation erleichtert es den Auszubildenden die notwendigen Fremdsprachenkenntnisse zu erlangen, um ihre Chancen auf dem globalisierten Arbeitsmarkt zu verbessern.
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